Geschätzte NVDA-Anwenderinnen und -Anwender sowie jene, die es noch werden möchten,
Kennen Sie das? Sie installieren eine neue Software, öffnen eine Fachanwendung im Büro oder ein Einstellungsfenster in Windows, aber NVDA liest Ihnen die Menüs und Schalter nicht vor. Anstelle von sinnvollem Text hören Sie nur „Grafik“, „unbeschriftet“ oder NVDA bleibt komplett stumm. Für sehende Menschen ist dort klar und deutlich Text zu erkennen, aber für den Screenreader sind diese Informationen hinter einer unzugänglichen Oberfläche verborgen.
Hier kommt eine äußerst mächtige Funktion von NVDA ins Spiel, mit der Sie den Text nicht nur sichtbar machen, sondern das Programm sogar bedienen können: Die integrierte Windows-Texterkennung (OCR).
Damit die Texterkennung gut funktioniert, ist eine Sache entscheidend: Die Erkennung bezieht sich immer auf das aktuelle Navigatorobjekt.
Wenn Sie sich in einem unzugänglichen Fenster befinden, liegt der Fokus oft nur auf einem winzigen, unbeschrifteten Element. Wenn Sie nun die Texterkennung starten, wird auch nur dieser winzige Bereich analysiert. Um das gesamte Fenster auszulesen, müssen wir den Navigator zunächst auf das übergeordnete Objekt (also das gesamte Fenster oder den gesamten Dialog) ziehen.
So ziehen Sie den Navigator zum übergeordneten Objekt:
NVDA + Nummernblock 8.NVDA + Umschalt + Pfeiltaste nach oben.Drücken Sie diese Tastenkombination eventuell ein- oder zweimal, bis NVDA Ihnen den Namen des Programmfensters oder Dialogs ansagt. Jetzt hat der Navigator das gesamte Fenster im Blick.
NVDA + R.NVDA hat den Text auf dem Bildschirm analysiert und präsentiert Ihnen das Ergebnis in einem virtuellen Textdokument.
Sie können diesen Text nun ganz normal mit Ihren gewohnten Pfeiltasten (hoch, runter, links, rechts) in Ruhe durchlesen und so herausfinden, was eigentlich auf dem Bildschirm steht.
Jetzt kommt der Teil, der diese Funktion im Alltag so unverzichtbar macht: Sie können den erkannten Text nicht nur lesen, Sie können ihn auch anklicken!
Navigieren Sie mit den Pfeiltasten einfach auf das Wort, das wie ein Menüpunkt oder ein Schalter klingt (z. B. "Weiter", "Speichern" oder "Zustimmen"). Wenn Sie nun die Eingabetaste oder die Leertaste drücken, führt NVDA an genau dieser Stelle einen Mausklick im echten Programm aus.
So lassen sich unzugängliche Installationsprogramme oder Menüs plötzlich bedienen, ohne dass Sie raten müssen, wo sich die Maus gerade befindet.
Oft ändert sich der Inhalt auf dem Bildschirm, während Sie das Fenster noch geöffnet haben – etwa weil nach einem Klick neue Informationen oder Schalter erscheinen. Damit Sie nicht alles schließen und den Scanner komplett neu starten müssen, gibt es einen einfachen Trick: Drücken Sie einfach NVDA + F5. Das Erkennungsergebnis wird sofort aktualisiert, und Sie können direkt weiterlesen.
Im NVDA-Menü unter Optionen > Einstellunen > Windows-Texterkennung können Sie auch eine automatische Aktualisierung einstellen.
Wenn Sie fertig gelesen oder geklickt haben, drücken Sie einfach die Escape-Taste. Das Erkennungsfenster schließt sich, und Sie können normal weiterarbeiten.
Probieren Sie es beim nächsten störrischen Programm direkt einmal aus!